World Café Tipps

World-Café - Praxistipps

In letzter Zeit begegnen uns Berichte von World-Cafés, die aus unserer Sicht nur noch wenig mit der ursprünglichen Methode zu tun haben. Hier deshalb einige wesentliche Tipps für ein gelingendes World-Café.


World-Café ist im Grunde genommen ein sehr einfaches Format mit klaren Regeln. Prinzipien und Annahmen. Die Einfachheit hat jedoch einen Fallstrick: man kann auf die Idee kommen, das Format abzuwandeln. Damit kann diese großartige Methode ihr Wesen und vor allem die Magie und Kraft verlieren, die durch dieses einfache aber außergewöhnliche Format entstehen können.

Wir geben Ihnen deshalb hier einige wesentliche Tipps, wie Ihr World-Café auf jeden Fall gelingt.

An jedem Tisch sitzen nur 4-5 Menschen

In dieser kleine Gruppe ist ein enger, intensiver und direkter Austausch möglich, alle sind am Gespräch beteiligt. Das gelingt bei größeren Tischen (wir hörten von bis zu 10 Personen) nicht. Die Sprechanteile jedes einzelnen sind dann zu gering, die Verständigung oft schwierig, das gemeinsame Schreiben und Malen auf den Tischdecken fast unmöglich.

Die Teilnehmenden sitzen an Tischen

Bei drei Gesprächsrunden von mindestens 25-30 Minuten ist Stehen (auch an Stehtischen) ermüdend. Das Stehen suggeriert außerdem eher die Unverbindlichkeit eines Pausengespräches mit Kommen und Gehen an einem Tisch.

Es gibt an den Tischen nur “Gastgeber”, keine Moderatoren

“Gastgeber” sind keine Moderatoren. Ein Lenken der Gespräche ist unerwünscht, weil dies das Erscheinen von neuen Einsichten oder oder Ideen behindert. Die Gastgeber haben nur die Aufgabe, an die Café-Etikette zu erinnern und den neuen Gästen in der folgenden Gesprächsrunde kurz mitzuteilen, was in der Runde vorher gesprochen wurde.

Die Gastgeber werden am Tisch von den Teilnehmenden festgelegt

Legt man die Gastgeber schon vorher fest, bekommen sie eine herausgehobene Position, was nicht gewollt ist. Es sollen Gespräche auf Augenhöhe sein, auch zwischen unterschiedlichen Rollen oder Positionen. Der Gastgeber am Tisch kann für alle Runden der gleiche sein oder wechseln.

Drei Gesprächsrunden zu einem Thema

Die Magie und Tiefe eines World-Café kann sich nur entfalten, wenn in drei Gesprächsrunden mit wechselnden Gesprächspartnern über genau ein Thema gesprochen wird - unterstützt durch sehr gute Leitfragen, die in den Gesprächsrunden unterschiedlich sein und aufeinander aufbauen können. Tische mit unterschiedlichen Themen oder Fragen zu versehen, ist deshalb kontraproduktiv.

Die Leitfragen sind offen und inspirierend

World-Café ist darauf ausgelegt, Möglichkeiten und Lösungen, Ideen und Wege auftauchen zu lassen, an die bisher niemand gedacht hat und auf die man mit Nachdenken alleine nicht kommen würde. Die Leitfragen sollten deshalb nicht auf ein bestimmtes Ergebnis abzielen oder Aktionen anstoßen, sondern so offen wie möglich sein und eher das gemeinsame Erforschen des Themas unterstützen.

Thema und Leitfragen werden in einer Planungsgruppe mit Vertretern aller Stakeholder entwickelt

Thema und Leitfragen sind ausschlaggebend für das Gelingen. Trifft das eine oder andere nicht den Nerv der Teilnehmenden, verkommt das World-Café zu belanglosem Geplauder oder bewirkt sogar Unwilligkeit.

Nach den Gesprächsrunden erfolgt ein “Ernten” der Einsichten und Erkenntnisse

Die Gesprächsrunden ermöglichen kreative Vielfalt und Divergenz. Um die Ergebnisse verwerten zu können, ist ein Transferdialog und ein Fokussieren wichtig - Konvergenz. Es geht darum, die wesentlichen Einsichten und Erkenntnisse herauszukristallisieren und allen zugänglich zu machen. Erfolgt diese "Ernte" nicht, bleibt das Entstandene unverdaut und chaotisch. Der Eindruck der Teilnehmenden ist dann "jetzt haben wir viel geredet, haben aber keine Klarheit erlangt".

Die Teilnehmenden berichten selbst über ihre Essenzen

Die Ergebnisse “gehören” den Teilnehmenden! Der Initiator oder Moderator sollte sie ihnen nicht wegnehmen.

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